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Leben im Augenblick

Fotoserie von Tom Zilker

Emotionen bauen Brücken

Die Bilder von Tom Zilker zeigen Emotionen von Menschen mit Demenz. Sie beschönigen nicht. Sie zeigen eine Momentaufnahme des Seins.

Demenz offenbart sich in vielen Gesichtern. Gesichter, die berühren. Die Staunen, Würde, Freude und Fröhlichkeit, aber auch Angst, Verzweiflung und Nachdenklichkeit ausstrahlen.

Vor allem zeigen die Bilder Individualität. Die Diagnose Demenz bedeutet nicht das Ende der Gedanken und Gefühle. Die Fähigkeit des individuellen affektiven Ausdrucks bleibt.

Wenn wir in der Lage sind, diese äusseren emotionalen Indikatoren vorsichtig zu analysieren, können wir sehr viel in Erfahrung bringen, was Menschen mit Demenz sagen wollen und was wir in ihnen auslösen.

Wenn wir lernen, die Sprache der Menschen mit Demenz zu verstehen und zu sprechen, gelingt es uns vielleicht zu erkennen, was ein Mensch denkt, wenn er nicht mehr wie früher denken kann.

Mit diesem Projekt möchten wir:

  • Aufmerksamkeit und Bewusstsein schaffen für die Menschen mit Demenz.
  • Berührungsängste abbauen und den Menschen zeigen, der er ist; in all seinen Facetten.
  • Die Würde und Lebensfreude der Menschen mit Demenz sichtbar machen.
  • Den öffentlichen Diskurs zum Thema Demenz fördern und auf diese gesellschaftliche Herausforderung hinweisen.

Wir haben im Sommer 2011 wundervolle Menschen kennengelernt, mit ihnen gelacht und mit ihnen gefühlt. Wir haben ihre Emotionen mit ihnen geteilt. Auf diese Reise möchten wir Sie mitnehmen, Sie ermutigen, ihrerseits Emotionen an die Bewohner des Chiemgau-Stifts in Inzell zurückzugeben.

An Frau M., die liebenswerte Pianistin.
An Herrn A., den ewigen Künstler.
An Frau R., die lebenslustige Buchliebhaberin.
An Herrn F., den wütenden Krieger.
und viele andere.

Sie werden lachende, freudige oder nachdenkliche Bilder in der Ausstellung finden. Das sind die Bewohner wie wir sie kennenlernen durften. Und das, was sie uns aus ihrer Welt gezeigt haben. Vielen Dank für zwei wunderbare Tage!

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Lesung: Erfahrungsberichte von Betroffenen

Am Donnerstag, den 15. März 2012, werden Ingrid Thaler und Irene Glück ab 19 Uhr uns einen interessanten Einblick in die Erlebnisse und Erfahrungen von Betroffenen geben. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, sich in einem offenen Austausch und einer Diskussion mit seinen ganz persönlichen Erfahrungen zum Thema Demenz zu beteiligen.

Hier stellt sich Irene Glück selbst vor:

Frau Glück arbeitete fast 40 Jahre als Lehrerin an verschiedenen Hauptschulen, u. a. auch mehrere Jahre an einer Fördereinrichtung für verhaltensgestörte Jugendliche.

Mit Demenz bzw. mit Arterienverkalkung, wie man es seinerzeit nannte, wurde sie bereits durch ihre Grosseltern konfrontiert; zeitweise half sie bei der Betreuung dieser mit. Auch ihre Eltern litten bzw. leiden an Altersdemenz. Ihre Mutter lebt heute in einer entsprechenden Einrichtung der Diakonie Traunstein.

Hier stellt sich Ingrid Thaler selbst vor:

Selbständige Ernährungsberaterin und Hauswirtschaftsleitung im Seniorenwohnheim Chiemgau-Stift in Inzell, Verheiratet, Zwei Kinder, 15 und 17 Jahre

Die Arbeit mit Senioren begleitet mich meine ganze Ausbildungszeit. Nach dem Schwesternhelferinnenkurs war ich immer wieder auf der Pflegestation in einem Seniorenwohnheim in Ottobrunn bei München als Pflegehelferin tätig. Bereits damals stellte ich fest, wie viel mehr ich persönlich zurückbekam als ich gab. Zu Hören und zu Lernen, was mir die Menschen erzählten und zu spüren, was sie mir nicht erzählten, brachte mich als junge Studentin in meiner Persönlichkeit sehr voran. Werte und Wertigkeiten bekamen eine neue Gewichtung. Meine Probleme wurden zu Banalitäten, wenn das Leben zeigt, wie es sich im letzen Wegabschnitt darstellt.

In späteren Jahren versorgte, betreute und pflegte ich zu Hause in der Elternzeit 10 Jahre lang die Schwiegereltern und lernte mit Demenz umzugehen. Gute Tage und schlechte Tage wechseln sich ab. Vergangenheit und Gegenwart verschwimmen. Verstörende Kriegserlebnisse und fröhliche Bergbauernbubengeschichten wechseln sich ab. Verzweifelte Erkenntnis, der letzte der Verwandtschaft zu sein weicht dem Verzweifeln, dass keiner die anderen Spielgefährten aus der Kindheit kennt. Die eigenen Grenzen und Möglichkeiten nicht zu überschreiten und die Pflege sicher zu stellen sind teilweise nicht auf einen Nenner zu bekommen. Oft genügt nur ein Da-Sein für den andern und Worte sind überflüssig. Nie gesehene Gefühlsausbrüche wühlen enorm auf. Ein Auf und Ab begleitet den Weg durch die Zeit und die Zeiten.

Trotzdem bleibt mir die intensive Zeit, in der beide Schwiegereltern sich hundertprozentig auf mich verlassen haben, ganz besonders in Erinnerung und im Herzen.

Heute arbeite ich im Chiemgau-Stift und freue mich, wenn Herrn F. und Frau E. mich im Büro besuchen, sich einen Florentiner schmecken lassen und mich vom Computer wegreissen, weil sie meine Aufmerksamkeit suchen.

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Pressemitteilung: Leben im Augenblick

Ausdrucksstarke Fotos und feinfühlige Texte zeigen Leben mit Demenz

Emotionen bauen Brücken zwischen Menschen. Eine solche Brücke bildet die Fotoausstellung „Leben im Augenblick“ mit Bildern von Tom Zilker. Die Bilder zeigen Emotionen von Menschen mit Demenz. Sie beschönigen oder dramatisieren nicht, sondern offenbaren Momentaufnahmen des Seins. Begleitet werden die Fotografien durch einfühlsame Texte von Beate Hamm. Die Fotoausstellung ist von 10. bis 16. März täglich von 10 bis 18 Uhr im Heimathaus Traunstein, Stadtplatz 2, zu sehen. Vernissage ist am Freitag, 9. März um 18 Uhr.

„Mit der Fotoausstellung möchten wir Aufmerksamkeit und Bewusstsein für Menschen mit Demenz schaffen, um Berührungsängste abzubauen“, sagt Beate Hamm. Als Pflegedienstleiterin des Chiemgau-Stifts Inzell und ausgebildete gerontopsychiatrische Fachkraft weiß sie, wovon sie spricht. Täglich erlebt sie Menschen mit Demenz in all ihren unterschiedlichen Facetten. Die Art und Weise, wie dieses Thema in der Öffentlichkeit behandelt wird, greift ihrer Ansicht nach oftmals zu kurz. Ihr Anliegen ist es, nicht den Verlust von Gedächtnis und kognitiven Fähigkeiten in den Vordergrund zu stellen, sondern den jeweiligen Menschen mit seiner Persönlichkeit und seinen Bedürfnissen nach einer gelingenden Beziehung, nach Angenommensein und Verstandenwerden. „An einer Demenz zu erkranken löscht nicht die jeweilige Persönlichkeit, sondern verändert sie“, so Hamm. Sie möchte es lernen und dabei helfen, die Sprache der Menschen mit Demenz zu verstehen und zu sprechen. „So gelingt es uns vielleicht zu erkennen, was ein Mensch fühlt, der nicht mehr wie früher denken kann.“

Den Menschen hinter der Demenz kennenlernen

Ein Glücksfall auf diesem Weg war die Zusammenarbeit mit dem Münchner Fotograf Tom Zilker. Beide begleiteten in ihrer Freizeit über mehrere Tage Bewohnerinnen und Bewohner des Chiemgau-Stifts Inzell und erfuhren so viel Wissenswertes über deren Lebensweg, vervollständigt durch Erzählungen der Angehörigen. Mit ausdrucksstarken Portraits gelingt es Tom Zilker, die jeweiligen persönlichen Besonderheiten, die differenzierte Gefühlswelt des Gegenüber und klassische Momentaufnahmen des Seins einzufangen und abzubilden. „Es ist meine Leidenschaft Menschen zu fotografieren und Emotionen in Bildern festzuhalten“, sagt Zilker. Kurze, einfühlsame und aussagekräftige Texte von Beate Hamm zu den dargestellten Personen ziehen den Betrachter zusätzlich in Bann.

Mit Hilfe der Unterstützung der Stadt Traunstein, des Diakonischen Werks Traunstein e.V., der Kirchengemeinde Inzell und der ATLAS TACART konnte das Projekt realisiert werden. Beate Hamm und Tom Zilker freuen sich auf viele interessierte Besucher zur Ausstellung und Vernissage.

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Vortrag: Lebensschätze heben


Mit Silvia Nett-Kleyboldt, Diplomsoziologin und Trainerin für Biografiearbeit, konnten wir eine kompetente Referentin für einen Vortrag im Rahmen der Ausstellung gewinnen. Sie wird uns am Dienstag, den 13. März 2012, ab 19 Uhr Einblick in die stärkende und ermutigende Wirkung von Biografiearbeit geben.

Das Besondere ist, dass sie selbst mit einer der Portraitierten vor Jahren ein lebensgeschichtliches Dokument erstellt hat. Sie wird uns dieses in Ausschnitten an diesem Abend vorstellen.

 

Mehr zur Bedeutung von Biografiearbeit stellt sie im folgenden selbst vor:

Lebensschätze heben – Biografiearbeit für Lebensmutige

Auf den Spuren meiner Erinnerungen:

  • meinen Lebensgeschichten nachspüren
  • die „Schatztruhe des Erfreulichen“ öffnen
  • meine Ressourcen und Potenziale würdigen
  • Ermutigung für Gegenwart und Zukunft erfahren

Im Rahmen der Foto-Ausstellung LEBEN IM AUGENBLICK – Menschen mit Demenz will dieser Abend die Möglichkeit geben, für sich selbst die stärkende und ermutigende Wirkung von Biografiearbeit zu erfahren.

Besonders aber wird auf ihren Sinn im Umgang mit demenziell Erkranken verwiesen: Gefühle von Selbstwert und Kompetenz werden gerade bei Menschen bestärkt, deren Rolle zunehmend von Abhängigkeit und Hilflosigkeit geprägt ist. Erinnerungsinseln können bewahrt, Sinneskanäle angesprochen, Freude und Lebensqualität gefördert werden. Durch das Würdigen von Lebensgeschichten im Rahmen von Biografiearbeit wird Würde erfahrbar, ebenso wie die Portraitfotos der Ausstellung Würde und Lebensfreude der Menschen mit Demenz sichtbar machen.

Die Bedeutung von Kraftquellen wie zum Beispiel Natur, Gedichte und Beziehungen zu Menschen wird an Hand eines lebensgeschichtlichen Dokuments verdeutlicht, das die Referentin mit einer der Porträtierten vor einigen Jahren erstellte und das sie in Ausschnitten an diesem Abend vorstellt.

Silvia Nett-Kleyboldt, Diplomsoziologin und Trainerin für Biografiearbeit

Dienstag 13. März 2012 im Heimathaus Traunstein, Beginn 19 Uhr

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Ausstellungstermin 9. März 2012 bestätigt

Langsam aber sicher konkretisiert sich die Ausstellung und wir freuen uns ganz besonders über folgende Ankündigung:

Den Termin für die Fotokunst-Ausstellung „Leben im Augenblick“ konnten wir nun in Zusammenarbeit mit dem Heimathaus Traunstein auf den 9.-16. März 2012 bestätigen. Eröffnet wird die Ausstellung am Freitag, dem 9. März 2012, ab 18 Uhr mit einer Vernissage.
Mehr zum Termin, zum Heimathaus und zum Rahmenprogramm der Ausstellung finden Sie stets aktuell auf der Seite „Ausstellung“.

Zitat aus der Einladung zur Ausstellung:

Die Bilder von Tom Zilker zeigen Emotionen von Menschen mit Demenz. Sie beschönigen nicht. Sie zeigen eine Momentaufnahme des Seins.
Begleitet werden die Fotografien durch Texte von Beate Hamm.
Gemeinsam wollen sie auf Menschen aufmerksam machen, die in unserer ruhelosen und lärmenden Zeit fast nicht mehr gehört werden.

Wenn wir lernen, die Sprache der Menschen mit Demenz zu verstehen und zu sprechen, gelingt es uns vielleicht zu erkennen, was ein Mensch fühlt, wenn er nicht mehr wie früher denken kann.

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Projekt

Danke

Ganz ohne Partner würde ein solches Projekt niemals funktionieren.

Aus diesem Grund bedanken wir uns ganz herzlich bei folgenden Personen und Institutionen, die uns unermüdlich gefördert haben.

Chiemgau-Stift Inzell, eine Einrichtung der Diakonie Traustein

Bilderdruck:  ATLAS TACART

Wollen Sie auch dieses Projekt unterstützen? Dann schreiben Sie uns doch einfach eine kurze email im Kontakt-Bereich. Wir freuen uns auf Sie!